Anhebung der Umsatzgrenze für Kleinunternehmer

Wer als HeilberuflerIn nicht nur umsatzsteuerfreie Heilumsätze ausführt, sondern auch nicht befreite Tätigkeiten (z. B. manche Gutachten oder Supervisionsleistungen), kann von der Kleinunternehmerregelung gem. § 19 Umsatzsteuergesetz profitieren. Dann wird vereinfachend die Umsatzsteuer nicht erhoben. Dafür sind Kleinunternehmer auch nicht zum sog. Vorsteuerabzug berechtigt. Die Anwendung dieser Regelung ist freiwillig.

Ab 01.01.2020 gilt: Von der Kleinunternehmerregelung profitieren Heilberufler und andere Unternehmer, deren Umsätze (ohne umsatzsteuerfreie Heilbehandlungen oder Vermietungen) im vorangegangenen Jahr € 22.000 (bisher € 17.500) nicht überstiegen haben und im laufenden Jahr voraussichtlich € 50.000 nicht übersteigen werden.

Das heißt für 2019: Heilberufler und andere Unternehmer, die in 2019 bereits Kleinunternehmer sind und bislang auf die Einhaltung der 17.500-Euro-Grenze geachtet haben, verschafft die Anhebung auf € 22.000 Spielraum für mehr Umsatz. Für die Prüfung der Vorjahresgrenze ist maßgeblich, in welchem Jahr das Entgelt zufließt.

Bitte beachten: Die Umsatzgrenzen sind brutto zu verstehen, d.h. inklusive der Umsatzsteuer. Bei Leistungen, die mit 19 % besteuert werden, darf der Vorjahresnettoumsatz (einschließlich privater Nutzungsanteile) nicht mehr als € 18.487 betragen. Wird mit der (gesamten) Tätigkeit erst im Lauf eines Kalenderjahres begonnen, wird (ausnahmsweise) im laufenden Jahr die Grenze von € 22.000 angewendet und gezwölftelt. Bei Praxiseröffnung zum 01.12.2019 dürfen also netto € 1.540 (brutto € 1.833) nicht überschritten werden.

Obwohl Kleinunternehmer keine gesonderte Umsatzsteuer ausweisen dürfen, sind sie von der Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen nicht grundsätzlich befreit. Zum einen sind sie in bestimmten Fällen zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen verpflichtet (z. B. wenn Lieferungen aus dem EU-Ausland bezogen werden oder wenn das sog. Reverse-Charge-Verfahren gem. § 13b Umsatzsteuergesetz anzuwenden ist). Zum anderen fordern Finanzämter einiger Bundesländer vermehrt zur Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen auf, vor allem, wenn vom Bundeszentralamt für Steuern eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer erteilt wurde.

Hinweis: Im Hinblick auf die Komplexität und die hohe Änderungsgeschwindigkeit des Steuerrechts kann trotz sorgfältiger Ausarbeitung keine Gewähr für diese Informationen übernommen werden. Eine umfassende Würdigung kann nur durch eine frühzeitige steuerliche Beratung erfolgen, in der auch die Besonderheiten des Einzelfalles berücksichtigt werden können.

Foto: Jonathan Meyer